Deutschland – ein zutiefst unsoziales Land

16. August 2013  Kommentar der Woche

Der unsoziale Charakter unseres Landes zeigt sich hauptsächlich in folgenden Bereichen:

1. An der ungerechten Einkommensverteilung

2. An der ungerechten Vermögensverteilung

3. An der Ungleichheit der Chancenverteilung

  • Verteilung der Einkommen: Während eine kleine Schicht riesige Jahreseinkommen bezieht, die in großem Tempo immer weiter anwachsen, steigt der Anteil der Menschen in unserer Gesellschaft, die im sog. Niedriglohnbereich arbeiten, immer weiter an. Dazwischen leben die Menschen mit unbefristeten und (noch) sicherem Vertrag, die in den letzten Jahren nach einer Zeit des „Darbens“ wenigstens einen kleinen Zuwachs der Reallöhne verzeichnen konnten. Aber: Diese Anstellungen sind langfristig alles andere als sicher. Immer mehr Menschen sinken aus dieser Mittelschicht in den Niedriglohnbereich ab – nur ganz wenige schaffen den Aufstieg in die oberen Einkommensschichten.
  • Noch ungerechter ist die Verteilung der Vermögen in unserem Land: Etwa 10 % der Bevölkerung sind im Besitz von etwa zwei Dritteln des Privatvermögens (deren Vermögen übersteigt übrigens die Schulden des Staates um mehr als das Dreifache, vergleiche hierzu: http://umfairteilen.de/). Hingegen fällt das minimale Vermögen der unteren 50 % der Menschen in diesem Land in so einer Statistik überhaupt nicht auf, so gering ist dieses im Vergleich. Kein Wunder: Wer wenig verdient, hat kein Geld übrig, um sich für die eigene Zukunft etwas auf die Seite zu legen.
  • Es gibt keine Chancengleichheit: Von einer sozialen Gesellschaft muss man erwarten, dass jeder und jede zu Beginn des Lebens die gleichen Chancen hat, im späteren Leben einen gut bezahlten Job nach eigener Wahl zu finden, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sozialer Herkunft. Genau das Gegenteil ist hier der Fall. Wer in den unteren sozialen Schichten geboren wird, hat kaum jemals die Chance, aus diesen sozialen Schichten nach oben zu kommen. So veröffentlichte der Spiegel in seiner Ausgabe vom 12.08.2013 eine Statistik, nach der nur 23 % der Schulanfänger, die ein Studium beginnen, Kinder von Nichtakademikern sind. Die Kinder von Akademikern beginnen hingegen zu 77 % ein Studium.

Das Schlimme an dieser Situation ist, dass hier keinerlei Verbesserung der Lage in Sicht ist, im Gegenteil: Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Noch dazu verspielt diese Gesellschaft immer weiter ihre Chancen für die Zukunft. Nur in einer Gesellschaft, in der möglichst alle Menschen einen hohen Ausbildungsstand haben, können die Aufgaben der Zukunft auch wirkungsvoll angepackt werden. Ein drastisch reformiertes Bildungssystem mit wirklicher Chancengleichheit für Alle wäre nötig. Und: Die Betriebe müssten dazu verpflichtet werden, Ihren Mitarbeitern die Chance auf (bezahlte) permanente Weiterbildung zu ermöglichen. In einer Welt, die sich immer schneller verändert, ist das sogenannte lebenslange Lernen das Gebot der Stunde.

Natürlich haben einige Parteien, so insbesondere die SPD und die GRÜNEN, dass Thema soziale Gerechtigkeit für den Wahlkampf entdeckt. Allerdings ist bei beiden kein wirkliches Konzept zu einer grundlegenden Umgestaltung unserer Gesellschaft zu entdecken. Da soll ein bisschen an der Steuerschraube gedreht werden, ein ziemlich kleiner Mindestlohn soll eingeführt werden, für die Bildung müsse man auch mehr tun. Wenn man dann noch mit ein berechnet, dass von den Wahlversprechungen in der Regel nur ein kleiner Prozentsatz auch gehalten wird, kann man schon jetzt sagen: Auch nach den Wahlen wird sich nichts Grundlegendes am unsozialen Charakter unserer Gesellschaft ändern.

In solch einer Situation ist es meines Erachtens wichtig, dass möglichst viele Menschen bei den Wahlen ein Zeichen setzen: Dass sie nicht mehr bereit ist, diese unsoziale Entwicklung in dieser Gesellschaft weiter hinzunehmen. Das geht am besten – das ist zumindest meine Meinung – mit der Abgabe der eigenen Stimme für die LINKE. Diese Partei steht doch als einzige mit großem Engagement dafür, dass sich in dieser Gesellschaft wirklich etwas verändert.

Natürlich bin ich mir auch darüber im Klaren, dass selbst ein sehr gutes Ergebnis unserer Partei bei den Wahlen (etwa 10 % plus X), nicht direkt zu einer anderen Politik in diesem Lande führen würde. Allerdings wäre es für die dann Regierenden doch etwas schwerer, einfach so mit ihrer „Weiter so“-Politik fortzufahren – würde man damit die LINKEN nicht noch stärker machen? Aber zu einer wirklichen Wende in der Politik in diesem Land bedarf es sicher noch mehr, als nur eines guten Wahlergebnisses der LINKEN.

Notwendig ist eine breite Debatte in unserer Gesellschaft zum Thema der sozialen Gerechtigkeit. Hierzu gibt es ja immerhin schon einige hoffnungsvolle Ansätze. So findet das umFAIRteilen-Bündnis bei seinen Aktionen langsam aber sicher immer größeren Zuspruch. Auch andere Bewegungen wie Blockupy machen immer wieder auf sich aufmerksam. Und nicht zuletzt in den Gewerkschaften gibt es immer mehr kritische Geister, die für wirkliche Veränderungen in unserer Gesellschaft stehen. Wenn aus diesen verschiedenen Ansätzen eine wirklich große gesellschaftliche Bewegung wird, dann besteht auch die realistische Hoffnung, dass sich tatsächlich etwas verändern wird. Manche Prozesse brauchen eben etwas Zeit, aber das Engagement kann sich lohnen. Wer hätte zu Anfang der Anti-AKW-Bewegung denn wirklich geglaubt, dass die Kernkraftwerke in Deutschland tatsächlich abgeschafft werden?

In der Hoffnung, dass möglichst viele von Euch bei der großen Demonstration am 14.09. in Bochum für soziale Gerechtigkeit dabei sein werden (http://www.pott-umfairteilen.de/), wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende

Euer Detlef Beune


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