Der Unternehmer Rainer Blickle wurde Bruchsaler Ehrenbürger

04. Oktober 2013  Bruchsal, Kommentar der Woche

Dies hat der Gemeinderat von Bruchsal laut „Amtsblatt BRUCHSAL“ vom 04.10.2013 bereits im Dezember letzten Jahres einstimmig beschlossen. Jetzt wurde ihm die Ehrenbürger-Urkunde von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in einem Festakt im Barockschloss überreicht.

Stellt sich natürlich die Frage, ob diese Ehrung denn auch gerechtfertigt ist:

„Blickle wirkte „aktivierend“ – sowohl in seinem Engagement als Firmenchef als auch als Mäzen und Stifter, beispielsweise der Bruchsaler Bildungsstiftung. Die Bildungsstiftung – Blickle ist ist Kuratoriumsvorsitzender – setzt sich ein für die Verbesserung des Bildungssystems, für Projekte in Bruchsaler Schulen und für bedürftige Schüler/-innen,“ so die Bruchsaler Oberbürgermeisterin.

Rainer Blickle ist natürlich in erster Linie Unternehmer. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der SEW-EURODRIVE-Gruppe. Mit einem Vermögen von 1,55 Milliarden € liegt er zusammen mit seinem Bruder Jürgen auf Platz 73 der 500 reichsten Deutschen 2013 (laut „manager magazin“). Platz 1 belegt in dieser Rangliste die Familie Karl Albrecht mit 17,2 Milliarden €.

Um einem Missverständnis gleich vorzubeugen: Es geht mir nicht darum, zu behaupten, dass alle Menschen mit so einem großen Vermögen schlechte Menschen sind – es ist ja auch nicht jeder „Normalbürger“ automatisch ein guter Mensch. Es mag auch durchaus sein, dass die Förderung von Projekten und Stiftungen von Rainer Blickle eine gute Sache sind.

Trotzdem bleibt bezüglich der Verleihung der Ehrenbürger-Würde an Rainer Blickle aus zwei Gründen ein schaler Beigeschmack:

  • Die 500 reichsten Deutschen sind insgesamt im Besitz von über 500 Milliarden €. Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt von Deutschland musste mit ca. 320 Milliarden € auskommen. Diese 500 reichsten Deutschen haben letztlich alleine aufgrund ihres Reichtums einen immensen Einfluss auf das, was in diesem Lande politisch beschlossen wird. Hingegen haben 50 % dieser Gesellschaft, von denen ein großer Teil auch täglich ihrer Arbeit nachgehen, mittlerweile Schwierigkeiten überhaupt über die Runden zu kommen, vielen droht Altersarmut.
  • „Ihre Standorttreue ist einmalig“, so Petzold-Schick in Ihrer Laudatio. Dies ist wohl auch ein weiterer Grund für die Ehrung von Blickle: Nach dem Aus von Nokia Siemens Networks möchte man unbedingt vermeiden, dass ein weiteres Unternehmen Bruchsal verlässt, was weitere Arbeitsplätze kosten würde. Insofern kann die Verleihung der Ehrenbürgerschaft auch als Bitte an Blickle verstanden werden, doch bitteschön den Standort Bruchsal beizubehalten. „Heute hat SEW-EURODRIVE 15 Fertigungswerke in Deutschland, Frankreich, Brasilien, China, Finnland und den USA, 75 DriveTechnologyCenter (Montagewerke) in 45 Ländern, über 15.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund 2,5 Mrd. Euro.“ – so Wikipedia. Das Unternehmen ist also nicht dazu gezwungen, den Standort Bruchsal für immer aufrecht zu erhalten, auch wenn Blickle in seiner Dankesrede seine „Liebe zu Bruchsal“ hervorhob.

Zur anfänglich gestellten Frage, ob die Ehrung denn gerechtfertigt ist, kann und möchte ich hier keine endgültige Antwort geben. Beängstigend finde ich allerdings eines: In einer globalisierten Welt können große Unternehmen ohne größere Probleme ihre Produktionsstätten von einem Land in ein anderes verschieben. Großunternehmer verfügen mittels ihres Geldes über immer mehr Macht  und Einfluss auf die Politik. Hier scheinen dann die Politiker (egal ob auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene) immer mehr zu Bittstellern an Großunternehmern zu verkommen, anstatt mutig und unabhängig eine positive Entwicklung der Gesellschaft für alle Menschen zu gestalten.

Euch allen noch ein schönes Wochenende

Euer Detlef Beune

 


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