Die teuren Strompreise werden noch viel teurer …

18. Oktober 2013  Deutschland, Kommentar der Woche

Hauptgrund ist dieses Mal die Erhöhung der Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien, die von derzeit 5,227 Cent pro Kilowattstunde laut Angabe des „Tagesspiegel“ auf den Rekordwert von 6,240 Cent ab 2014 steigen soll. Dazu schreibt dieselbe Zeitung: „Ein durchschnittlicher Haushalt muss damit etwa 35 Euro mehr im Jahr für die Umlage bezahlen. Hinzu kommt noch die mitsteigende Mehrwertsteuer, sowie höhere Netzentgelte, so dass über 60 Euro mehr werden können, bei Großfamilien (6000 kWh/Jahr) können es über 100 Euro mehr im Jahr werden.“

Die Frage stellt sich natürlich: Gibt es hierzu keinerlei Alternative?

Die Erhöhung dieser Umlage ergibt sich aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG, damals von der rot-grünen Regierung eingeführt), nach der die Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen auf 20 Jahre eine feste Vergütung erhalten. Zwischen dem am Markt erzielten Preis für den Strom (der zuletzt an den Börsen gefallen ist) und dem Vergütungssatz für die Betreiber von erneuerbaren Energien besteht eine wachsende Differenz, die durch die beschriebene Umlage ausgeglichen werden soll. So erleben wir also die absurde Situation, dass die börsennotierten Marktpreise für den Strom fallen, während der normale Stromverbraucher kräftig zusätzlich zur Kasse gebeten wird.

Am absurdesten ist diese Geschichte bei den Solaranlagen: Der Strom dieser Anlagen in Deutschland kann nur bei Tageslicht erzeugt werden. Der meiste Strom wird aber in Deutschland gerade in den frühen Morgen- oder den Abendstunden gebraucht, dann also, wenn diese Anlagen überhaupt keinen Strom erzeugen können. Trotzdem erhalten die Betreiber dieser Anlagen den garantierten Vergütungssatz, egal wann sie diesen Strom in das Netz einspeisen.

Ein anderes Thema: Die Subventionierung der sogenannten energieintensiven Unternehmen: So titelte die „Wirtschaftswoche“: „Verbraucher tragen Stromkosten der Industrie

Energieintensive Industrien müssen keine Öko-Strom-Umlage oder Netzentgelte mehr zahlen. Die dadurch entstehende Lücke stopfen die Verbraucher: Sie zahlen deshalb 440 Millionen Euro mehr für ihren Strom.“ Diese energieintensiven Unternehmen drohen der Politik: Würden ihre Strompreise auch deutlich ansteigen, dann würde das in Deutschland viele Arbeitsplätze kosten.

Wie auch bei vielen anderen politischen Fragestellungen ist auch hier das Ergebnis wieder dasselbe: 80 % der Bevölkerung müssen die Zeche dafür zahlen, dass die restlichen 20 % immer reicher werden. Auch von der neuen Regierung ist in der Strompolitik kein wirklicher Fortschritt zu erwarten. Das fängt schon bei dem geplanten Stromtransport von den großen Offshore-Windparks (Windräder in der Nordsee) nach Süden (also nach Bayern und Baden-Württemberg) an: Bislang hat man es nicht mal geschafft, den Bau der benötigten Stromtrassen von Nord nach Süd in die Gänge zu bekommen. Noch dazu ist man scheinbar immer noch nicht dazu bereit, diese Stromtrassen unterirdisch mit Gleichstrom zu betreiben. Der Transport von Strom mit Gleichstrom über große Entfernungen ist wesentlich effektiver, da dabei wesentlich weniger Energie verloren geht, als mit den üblichen Wechselstromtrassen, die noch dazu die Umwelt wesentlich mehr belasten. Ein Wermutstropfen des Gleichstroms darf allerdings nicht verschwiegen werden: Sowohl bei der Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom (wäre im Norden notwendig) als auch beim Gegenteil im Süden, müssten viele Fußballfelder große Anlagen gebaut werden, wo sicherlich wegen Lärm und elektromagnetischer Belastungen kein Mensch in der Nähe von weniger als zwei Kilometer im Umkreis leben möchte. Allerdings: Das sind doch lokal begrenzte Nachteile, lange nicht zu vergleichen mit den gigantischen oberirdischen Wechselstromtrassen, die quer durch das gesamte Land gebaut werden müssten. Zu den Möglichkeiten der Gleichstromtechnologie schrieb z.B. SIEMENS vor etwa einem Jahr: Aber ist ein derart schneller Ausbau des Stromnetzes überhaupt zu realisieren? „Ab einer Trassenlänge von einigen hundert Kilometern sind bei der bisher dominanten Drehstromtechnik die Verluste zu groß“, erklärt Prof. Dirk Westermann, Leiter des Fachgebiets Elektrische Energieversorgung an der Universität Ilmenau und Mitglied im Beirat der Plattform „Zukunftsfähige Energienetze“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. „Hier wäre der Ausbau mit der Technik der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) am effizientesten.“ Damit ist es möglich, Strom auch über mehr als tausend Kilometer mit geringen Verlusten zu transportieren. „Mit Gleichstrom können im Vergleich zu Drehstromleitungen die Übertragungsverluste um 30 bis 50 Prozent reduziert werden“, bringt es Jörg Dorn, Entwicklungsleiter für HGÜ-Systeme bei Siemens Energy, auf den Punkt. Übrigens, in vielen Ländern der Welt wird Gleichstrom zur Stromübertragung über größere Entfernungen bereits genutzt bzw. geplant, warum ausgerechnet in Deutschland nicht?

Die Antwort auf die Frage, warum so etwas denn nicht geschieht, ist meines Erachtens ganz einfach: Der Staat, also die Bundesregierung(en), hat es längst aufgegeben, große sinnvolle Projekte selbst zu planen und in die Hand zu nehmen. Statt dessen finden endlose Sitzungen mit den Vertretern unser vier großen Stromkonzerne statt, bei denen aber nichts herauskommt. Kein Wunder: Diese vier Konzerne haben einzig ein Interesse: Egal mit welcher Art von Strom, sie wollen möglichst große Gewinne einstreichen. Die Fragen, ob der produzierte Strom ökologisch ist oder nicht, ob der Strom für die kleinen Bürger in unserem Land teurer wird oder nicht, das interessiert diese Konzerne praktisch gar nicht.

Meine Meinung: Solange diese Konzerne bei der Entscheidung darüber, wie und unter welchen Bedingungen in Deutschland Strom produziert wird und für welche Preise dieser an wen verkauft wird, mit zu bestimmen haben, wird das Problem der ökologischen Stromversorgung in Deutschland nicht gelöst werden. Wichtig wäre eine staatliche Planungsinstanz, die die Wende in der Energiepolitik eigenständig plant und diese auch über mehrere Legislaturperioden hinweg verlässlich durchsetzt (über das Problem, wie staatliche Unternehmungen auch effektiv geführt werden können, werde ich wohl ein anderes Mal sprechen, sonst wird dieser Kommentar wesentlich zu lang). Damit die vier großen Stromkonzerne einen großen Teil ihrer Macht auf die Politik verlieren, wäre eine Maßnahme in meinen Augen mehr als überfällig: Das existierende Stromnetz gehört nicht in die Hand einiger weniger Konzerne, das Stromnetz gehört in die öffentliche Hand. Nur so kann es im Übrigen auch eine echte Konkurrenz am Strommarkt geben. Der Staat würde für die Nutzung dieses Netzes von allen interessierten Firmen Gebühren unter Bedingungen verlangen, die für alle Stromanbieter gleich wären. So könnte tatsächlich eine echte Konkurrenz entstehen, und wir wissen ja: In unserem kapitalistischen System führt Konkurrenz, die tatsächlich auch eine ist, tendenziell zu sinkenden Preisen.

So, genug über Strom geschrieben, ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende!

Euer Detlef Beune


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