Bruchsaler Verkehrsprobleme

25. Oktober 2013  Bruchsal, Kommentar der Woche

Nein, hier soll es nicht um diverse Staus gehen, die sich wegen Baustellen immer mal wieder bilden. Es geht vielmehr darum, dass in jeder Gemeinde ein vernünftiges Verhältnis zwischen allen Verkehrsteilnehmern herrschen sollte, also zwischen Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern. Seitdem ich in die Wilderichstraße gezogen bin, habe ich diese Probleme aus Sicht eines Fußgängers kennen gelernt. Ich arbeite auf dem Gelände von Nokia Siemens Networks, da ist der Weg nicht sehr weit. Wenn das Wetter okay ist, lasse ich das Auto des öfteren stehen und gehe zu Fuß …

Auf dem Weg durch die Bahnunterführung zur Werner-von-Siemens Straße dürfen Fahrradfahrer und Fußgänger sich den Fußweg teilen. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, unter folgenden Voraussetzungen: Der Weg muss breit genug sein und es muss klar gekennzeichnet sein, auf welchem Teil des Weges die Fußgänger laufen sollen und auf welchem Teil die Fahrradfahrer benutzen sollen. Ansonsten gibt es oft folgende Situation: Man läuft auf einem Fuß-/Fahrradweg, hinter einem kommt ein Fahrrad an. Der Fahrradfahrer macht aus seiner Sicht das einzig Richtige: Er klingelt. Der Fußgänger erschrickt vielleicht ein wenig und leicht kommt es in dieser Situation zu einer unbedachten Bewegung genau dahin, wo der Fahrradfahrer vorbeifahren möchte. Besonders gefährlich ist die Situation in der erwähnten Bahnunterführung: Der Weg ist dort extrem schmal, so dass es in meinen Augen nur eine vernünftige Regelung geben kann: Fahrradfahrer müssen in dieser Unterführung absteigen. Der Weg ist nämlich nicht nur schmal, sondern am Ein- und Ausgang in dieser Unterführung auch noch kurvig, so dass man nur wenig Sicht hat. Auch bei mir wäre es beinahe mehrmals zu einem Unfall mit Fahrradfahrern gekommen, weil der herein fahrende Fahrradfahrer so plötzlich vor mir auftauchte.

Vor einiger Zeit noch hätte ich mir ehrlich gesagt über solche Probleme noch gar keine Gedanken gemacht. Ich bewegte mich hauptsächlich mit dem Auto durch Bruchsal, dabei fallen einem die genannten Problem nicht so auf. Es ist mittlerweile bekannt, dass jeder Verkehrsteilnehmer je nach seiner Rolle die Lage ganz verschieden beurteilt: Der Autofahrer möchte einfach nur möglichst schnell zu seinem Zielort gelangen. Fahrradfahrer regen sich über rücksichtslose Autofahrer auf. Fußgänger sind froh, wenn sie im Verkehr nicht in Gefahr geraten und bei Straßenüberquerungen nicht über Gebühr benachteiligt werden. Aufgabe einer städtischen Politik muss es demnach sein, hier allen Ansprüchen möglichst weitgehend gerecht zu werden – was natürlich immer nur teilweise gelingen kann. Wichtig dabei ist, das Mögliche auch immer zu tun.

Bezogen auf das Fußgänger-Fahrradproblem kann das Problem im ersten Schritt nur wie folgt gelöst werden: Die Wege, wo beide sich einen Weg teilen, müssen klar mit einem Bereich für Fahrradfahrer und Fußgänger gekennzeichnet sein, ansonsten darf es solche geteilten Wege nicht geben. Das ist nun auch in vielen Bereichen in Bruchsal schon realisiert, aber das sollte überall und gerade auch in der Innenstadt gelten. Im zweiten Schritt sollte man sich vielleicht einmal mit holländischen Kommunen zusammensetzen, die das Problem vielerorts m.E. wesentlich eleganter gelöst haben, als dies in den meisten deutschen Kommunen der Fall ist.

Noch ein letzter Punkt  zur Benachteiligung von Fußgängern gegenüber Autofahrern: An der nun bekannten Bahnunterführung ist Richtung Innenstadt ein Kreisverkehr. An den Enden dieses Kreisverkehres gibt es jeweils einen Fußgängerüberweg mit einer Insel in der Mitte, so dass der Fußgänger bis zu dieser Insel immer nur eine Fahrspur überqueren muss. Das ist gut. Schlecht ist allerdings, dass diese Fußgängerüberwege nicht durch Zebrastreifen gekennzeichnet sind. Ein Signal für viele Autofahrer, dass sie hier Vorfahrt haben und wartende Fußgänger ignorieren, um möglichst schnell ihr Ziel zu erreichen. Also bitte, liebe Stadt Bruchsal: An solchen Verkehrsinseln auch Zebrastreifen auf die Straße pinseln.

Zugegeben, dieser heutige Kommentar der Woche hatte nichts mit großer Politik zu tun. Allerdings haben wir LINKE das Ziel, die Lebensverhältnisse der Menschen in unserem Lande zu verbessern. Dazu ist die große Politik sicher wichtig, aber jede kleine Verbesserung auch in den alltäglichen Bereichen ist schließlich auch eine Verbesserung. Das meint jedenfalls

Euer Detlef Beune, der Euch noch ein wunderschönes Wochenende wünscht.


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