Wirtschaftsprognosen 2014 – wird alles gut?

27. Dezember 2013  Diskussionen, Kommentar der Woche

Stellvertretend für viele optimistische Prognosen sei hier das Handelsblatt zitiert: „Das Münchner Ifo-Institut von einem Wachstum von 1,9 Prozent für 2014 aus.“ Auch bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit fällt die Prognose leicht positiv aus: „Das Ifo-Institut erwartet, dass sich der Aufschwung 2014 auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt. Die Zahl der Erwerbstätigen soll im Schnitt um 230.000 Personen steigen – und die Arbeitslosenquote dürfte leicht von 6,9 auf 6,8 Prozent zurückgehen“.

Das vergangene Jahr hat andererseits aber auch gezeigt, dass ein Wirtschaftswachstum (das lag 2013  bei nur 0,4 Prozent) nicht unbedingt auch bei allen ankommt: So stellte das Statistische Bundesamt fest: „Für das Jahr 2013 zeichnet sich nach den Ergebnissen der ersten drei Quartale 2013 ein geringer Reallohnverlust ab. Die Nominallöhne sind in diesem Zeitraum im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2012 um 1,4 % gestiegen, die Verbraucherpreise um 1,6 %“. Noch schlimmer sah es bei der Entwicklung der Renten in den alten Bundesländern 2013 aus: Einer Rentenerhöhung von 0,25 Prozent stand eine Inflationsrate von 2 Prozent gegenüber, es war also real eine drastische Rentenkürzung.

Deshalb sind solche Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen. Zum einen sind es erst einmal nur Prognosen, die nicht immer mit der dann folgenden realen Entwicklung übereinstimmen. Zum zweiten bedeutet ein Wirtschaftswachstum – wie die Vergangenheit gezeigt hat – keineswegs, dass es der Mehrheit der Bevölkerung (den Arbeitnehmern und den Rentnern) tatsächlich auch im gleichen Umfang besser gehen wird.

Momentan noch werden von der Bundesregierung für die Jahre 2014 bis 2016 Rentenerhöhungen von 2,3 bis 2,6 Prozent pro Jahr prognostiziert. Selbst wenn es also bei einer Inflationsrate von 2 Prozent bliebe, bekämen die Rentner also nur ein klein wenig von dem prognostizierten Wachstum von 1,9 Prozent ab. In einem Interview mit den Tagesthemen sagte der Autor des Buches „Armut im Alter“, Prof. Dr. Christoph Butterwege: „Schon jetzt beziehen mehr als 436.000 Menschen über 64 Jahre die Grundsicherung im Alter. Das heißt, sie leben von rund 700 Euro. Die Bundesregierung beschwichtigt zwar, indem sie vorrechnet, das seien nur 2,6 Prozent aller Personen dieser Altersgruppe. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass sich gerade ältere Menschen scheuen, zum Amt zu gehen und die Grundsicherung zu beantragen. Oft wissen sie auch gar nicht, dass es diese Leistung gibt oder dass sie ihnen zusteht. Die Dunkelziffer beträgt über 60 Prozent, so dass über eine Million Menschen insgesamt auf einem so niedrigen Niveau leben. Hinzu kommt, dass mehr als 760.000 Menschen über 64 einen Minijob haben, fast 120.000 davon sind 75 Jahre und älter. Altersarmut ist also kein Schreckgespenst oder ein bloßes Zukunftsproblem, sondern längst bedrückende Realität.“ Hinzu kommt, dass die von der Bundesregierung veröffentlichten Rentenprognosen von vielen als viel zu optimistisch gewertet werden. Hier wird einfach davon ausgegangen, dass die optimistischen Wirtschaftsprognosen für 2014 Realität werden und es auch in den Jahren danach weiter kräftig aufwärts geht. Ein erneuter Konjunktureinbruch oder eine drohende neue Finanzkrise hat in solch optimistischen Planspielen keinen Platz.

Wie sich die Reallöhne 2014 tatsächlich entwickeln werden, ist natürlich noch nicht entschieden. Laut SPIEGEL ONLINE vom 06.08.2013 plädiert selbst der Internationale Währungsfond in Deutschland für höhere Reallöhne: „Angesichts eines starken Arbeitsmarkts wäre es nicht unangemessen, wenn die Reallöhne steigen würden und somit der Arbeitnehmeranteil am Nationaleinkommen erhöht würde“. Ob es dazu kommt, wird sich erst in den Ergebnissen der Tarifauseinandersetzungen im kommenden Jahr zeigen. Pessimistisch muss man da leider für die Branchen sein, in denen die Gewerkschaften nur schwach oder gar nicht vertreten sind und es deshalb auch kaum ausgehandelte Tarifverträge gibt. Nimmt man die letzten 15 Jahre als Maßstab, haben die Arbeitnehmer in jedem Fall einen großen Nachholbedarf, da es in den meisten Jahren immer einen Reallohnverlust gab.

Fazit: Die in den Medien verbreiteten positiven Wirtschaftserwartungen für das kommende Jahr sind zu einem guten Teil auch als Zweckoptimismus der gerade ins Amt gewählten großen Koalition zu werten. Das Kredo unserer Kanzlerin: Seht es euch an, das zeigt doch, dass wir in den vergangenen Jahren alles richtig gemacht haben. Die Realität sah in der Vergangenheit meistens ganz anders aus und es ist zu befürchten, dass dies auch jetzt wieder der Fall sein wird. Wahrscheinlich ist bei der Politik der Großen Koalition in jedem Fall, dass sich auch dieses Mal die Einkommensmillionäre aus Wirtschaft und Finanzbranche den größten Teil des von allen Arbeitnehmern produzierten Wirtschaftswachstums sichern werden. Zu hoffen bleibt, dass die Gewerkschaften in den kommenden Lohnauseinandersetzungen dafür sorgen können, dass von dem zu verteilenden Kuchen wenigstens ein Teil auch bei den „normalen“ Arbeitnehmern ankommt.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Euch

Euer Detlef Beune


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