Fest und Demonstration „Wir für Menschlichkeit“ am 26.09.2015 in Bruchsal – neue Version

Insgesamt waren diese Veranstaltungen aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Ca. 900 Menschen nahmen an der Demonstration teil. Neben der Bürgermeisterin redeten VertreterInnen der meisten der unterstützenden Organisationen dieses Bündnisses (darunter auch Thurid Feldmann, Vertreterin im Gemeinderat von den LINKEN). Letzteres musste an dieser Stelle einmal erwähnt werden, weil die BNN in ihrer Vorberichterstattung scheinbar vergessen hatte, dass neben allen anderen Organisationen – die dort erwähnt wurden – auch die LINKEN Bestandteil dieses Bündnisses sind.

Was den meisten Rednerinnen gemeinsam war: Neben dem Protest gegen den Aufmarsch der Nazi-Truppe „Steh auf für Deutschland“ wollen alle auch ihren möglichen Beitrag leisten, damit die jetzt auch in Bruchsal zahlreich ankommenden Flüchtlinge hier herzlich willkommen geheißen werden und sie bei dem Erlernen der deutschen Sprache und der Jobsuche unterstützen.

Während die eigentliche Veranstaltung friedlich verlief, kam es im Bahnhof doch zu einigen Auseinandersetzungen. So berichtete Bruchsal.org am 26.09.2015:

Allerdings wurden zwei Teilnehmer der Demonstration “Steh auf für Deutschland” auf dem Weg zur Versammlung mit Passivbewaffnung – quarzsandbewehrten beziehungsweise entsprechend gepolsterten Handschuhen – festgestellt. Ein Dritter führte Vermummungsmaterial mit sich; die Ertappten werden wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz zur Anzeige gebracht.

Gegen 23 Angehörige des linken Spektrums ermittelt die Polizei wegen Verdachts des Landfriedensbruchs sowie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Sie hatten im Bruchsaler Bahnhof fünf auf dem Weg zur Demonstration “Steh auf für Deutschland” befindliche Teilnehmer mit Holzstangen angegriffen. Durch das rasche Einschreiten der Polizei, bei dem es auch zum Einsatz von Schlagstöcken kam, konnte ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Gruppen aber verhindert werden.

In der ersten Version dieses Kommentars hatte ich diese angeblichen Angriffe mit Holzstangen auf die Nazis noch als unvernünftige Aktionen bewertet. Nach diversen Diskussionen zu diesen Vorfällen habe ich allerdings auch starke Zweifel daran bekommen, ob die Ereignisse im Bahnhof sich tatsächlich so zugetragen haben, wie von der Polizei berichtet. Es wäre leider nicht das erste mal in unserem Lande, dass sich die Polizei in solchen Auseinandersetzungen auf die Seite der Nazis gestellt hätte. Allerdings kann ich hier letztlich nichts behaupten, ich war nicht dabei, ich weiß es nicht.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass es sich hierbei nur um – wenn auch unerfreuliche – Randerscheinungen von einer ansonsten friedlichen Demonstration handelte. Die Teilnahme von so vielen Menschen an einer Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit in Bruchsal ist schon mehr als erfreulich. Im Gegensatz dazu brachte es „Steh auf für Deutschland“ bei ihrer anschließenden Demonstration in der Salinenstraße laut Bruchsal.org gerade einmal auf 41 Teilnehmer. Dass ein größerer Anteil von ihnen auf dem Bahnhof ankam, deutet darauf hin, dass ein Teil dieser 41 noch nicht einmal aus Bruchsal stammte.

Die Stadt Bruchsal hat hier ein wichtiges Zeichen gesetzt. Zum Schluss haben alle im Gemeinderat vertretenen Parteien das Fest und die Demonstration unterstützt, bis auf die CDU und den Vertreter von ALFA (ehemals AfD).

Am 07.10.2015 möchte sich das Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ erneut treffen. Zum einen natürlich, um die Aktionen vom 26.09.2015 gemeinsam auszuwerten. Zum anderen soll aber auch darüber gesprochen werden, wie man gemeinsam weitermachen will. Das Thema Flüchtlinge wird wohl noch lange aktuell bleiben. Wie es gelingen kann, dass hier in Bruchsal die Voraussetzungen geschaffen werden können, dass möglichst beide Seiten von dem Zuzug von Flüchtlingen profitieren können, sowohl die alt eingesessenen Bruchsaler als auch die neu hinzukommenden BürgerInnen aus ganz anderen Ländern, auch darüber wird sicherlich am 07.10.2015 gesprochen werden.

Euch noch einen schönen Sonntag

Euer Detlef Beune


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