2016 wird für viele Menschen ein teures Jahr

So sollen unter anderem die Strompreise angehoben werden, in Baden-Württemberg werden Bus, Bahn und Tram wieder teurer, was insbesondere den Nahverkehr betrifft. Und die Post plant sogar, das Briefporto von normalen Briefen von 62 Cent auf 70 Cent zu erhöhen, was einem Anstieg von nahezu 13 Prozent entspricht.

In letzter Zeit hört man fast nur noch, dass wir in Deutschland nahezu keine Inflation mehr haben. Die Europäische Wirtschaftspolitik versucht seit längerem, eine Inflationsrate von 2 Prozent zu erreichen, damit Europa nicht in eine als Deflation bezeichnete wirtschaftliche Talfahrt gerät. Wie passt das alles zusammen?

Dass trotz solcher Preiserhöhungen die Inflationsrate insgesamt so niedrig ist, hat sehr viel damit zu tun, dass in diesem Jahr die Preise für Öl und Benzin deutlich gesunken sind. Was für Menschen, die täglich viel mit dem Auto fahren, erfreulich ist, davon haben diejenigen, die auf Bus oder Bahn angewiesen sind, nichts. Trotz sinkender Ölpreise sehen die meisten Mieter Jahr für Jahr an ihrer Umlagenabrechnung nur einen Trend, es geht weiter aufwärts. Außerdem sind sinkende Ölpreise nicht nur ein gutes Zeichen. Diese deuten auch darauf hin, dass es mit der Konjunkturentwicklung in der Welt nicht zum Besten steht, was insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in China oder in Schwellenländern wie Indien oder Brasilien betrifft. Und: Sinkende Ölpreise senken auch in vielen Ländern die Bereitschaft, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken, was für den Kampf gegen den Klimawandel dringend notwendig wäre.

Schauen wir uns die zu Anfang erwähnten Bereiche einmal genauer an:

1. Die Strompreise

Anfang September sank der Strompreis an der Leipziger Energiebörse EEX auf ein Rekordtief von nur 2,6 Cent pro Kilowattstunde. Das ist der niedrigste Stand seit zwölf Jahren. Dennoch werden die gesunkenen Großhandelspreise kaum an Privatkunden weitergegeben (nachzulesen auf der Web-Seite von 1-stromvergleich.de/strompreisentwicklung zu den Prognosen der Strompreisentwicklung 2016). Und weiter heißt es dort:

Wer die Kosten der Energiewende auch in Zukunft tragen soll, wird deutlich. Vor allem Stromkunden und Steuerzahler werden zur Kasse gebeten, wenn alte Kraftwerke vom Netz gehen, die Sonne stärker scheint oder der Wind ordentlich bläst. Die energieintensiven Industrien werden weiterhin entlastet.

Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das Handelsblatt belegen, dass sich die Kosten der Energiewende für Stromkunden auf 28 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Umgerechnet auf einen Privathaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden sind das 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende. Diese Kosten enthalten die Förderung der erneuerbaren Energien und die dadurch verursachten Kosten des Netzausbaus.

Die Kosten der Energiewende sollen also die Verbraucher und Steuerzahler berappen, während die energieintensive Industrie und die vier großen Stromerzeuger Deutschlands von der Politik weitgehend verschont werden.

2. Preiserhöhungen im Nahrverkehr

Auch die Nahverkehrskunden in Baden-Württemberg bleiben nicht verschont. So berichtete swr.de: Die tägliche Fahrt mit Bus und Bahn wird auch in diesem Winter in Baden-Württemberg teurer. Viele große Verkehrsverbünde heben ihre Ticketpreise. Sie verlangen für ihre Fahrscheine häufig zwischen 2,5 Prozent und 2,9 Prozent mehr.

Getreu dem Motto Gründe lassen sich immer finden, werden dieses Mal teure Investitionen und gestiegene Personalkosten als Begründung für diese Preiserhöhungen genannt. Bisher wurden für diese alljährlichen Fahrpreiserhöhungen meist höhere Energiekosten als Begründung genannt, da dies dieses Mal nicht glaubwürdig wäre, hatte man schnell einen anderen Grund gefunden. Wenn wir Endverbraucher es doch auch so einfach hätten, gestiegene Unkosten einfach auf irgend jemanden abzuwälzen.

3. Erhöhung des Briefportos durch die Post

So berichtete focus.de am 21.10.2015:

Briefe schreiben wird für die Verbraucher in Deutschland ab 2016 voraussichtlich deutlich teurer: Nachdem das Porto in den vergangenen Jahren bereits dreimal in Folge gestiegen war, will die Deutsche Post die Briefpreise abermals anheben – und zwar drastisch.

Wie der Branchenprimus am Mittwoch in Bonn mitteilte, soll das Porto für den Standardbrief (bis 20 Gramm) zum Jahreswechsel von derzeit 62 Cent auf 70 Cent steigen und dann bis Ende 2018 stabil bleiben.

Regelmäßige Preiserhöhungen von der Post ist man seit Jahren gewohnt. Dass diese Preiserhöhung dieses Mal allerdings dermaßen drastisch ausfallen konnte, daran trägt die Bundesregierung, genauer die Bundesnetzagentur, die Hauptverantwortung. Diese hatte der Post einen erhöhten Spielraum bei der Preisgestaltung zugestanden.

Bei allen drei Preiserhöhungen stellen sich zusammengefasst folgende Fragen:

  • Warum ist es in Deutschland, wo immer noch viele Politiker von einer „sozialen“ Marktwirtschaft reden, mittlerweile dermaßen selbstverständlich geworden, dass große Konzerne Preiserhöhungen ausschließlich zum Wohle ihres eigenen Gewinns dermaßen schamlos gegenüber den Endverbrauchern durchsetzen können.

  • Wann endlich wird von einer Bundesregierung endlich einmal ernst gemacht mit dem Gedanken Ludwig Erhards, dass es in einer sozialen Marktwirtschaft keine Monopole bzw. Oligopole geben darf (denn um nichts anderes handelt es sich bei den vier Energieriesen, der Deutschen Bahn und der Post.

Solange hier kein ernsthafter Politikwechsel eingeleitet wird, werden sich über solche Preiserhöhungen in Deutschland weiterhin nur kleine Minderheiten in der Gesellschaft freuen: Die führenden Köpfe dieser Großkonzerne und diejenigen, die am Spiel mit Wertpapieren reichlich Geld verdienen (ohne irgendeine Arbeit zu leisten, die dem Allgemeinwohl etwas nutzt). Hierzu zum Schluss noch einmal focus.de:

Die Post-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Nach Bekanntgabe der Porto-Pläne durch den Konzern setzte sich die Aktie mit einem Plus von 2,81 Prozent an die Spitze des Dax.

Trotz dieser eher trüben Aussichten Euch noch ein schönes Wochenende

Euer Detlef Beune

Zum Schluss noch ein paar Links zum Thema:


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